Reiseberichte

Bald ist Weihnachten!

Fr 04 Nov.- Mi 21. Dez 2011

Bald ist Weihnachten! Die Zeit der Ruhe und Besinnung, die Zeit der Einkehr und das Fest der Liebe, oder wie eine Freundin von mir auch mal sagte: „ Weihnachten ist das Fest der Familie und deshalb werden laut Statistik an Weihnachten auch die meisten Morde begannen“. Egal aus welchem Blickwinkel man es sehen will, bald ist Weihnachten! Carl und ich müssen uns die Vorstellung, dass wirklich bald Weihnachten ist, mehrmals durch den Kopf gehen lassen. Weihnachten in Australien ist kein besinnliches Fest, es gleicht viel mehr einer großen Party.

Unsere erste Weihnachtsparty hatten wir schon. Carls Firma veranstaltete eine Weihnachtsfeier auf dem Yarra River. Hübsch gerichtet und sehr entspannt, wir waren davor noch im Meer schwimmen, machten wir uns auf den Weg. Die Weihnachtsfeier fand auf einem kleinen Boot statt, das den Yarra River hoch und wieder hinunter fuhr. Es gab ein warm- kaltes Buffet und da keine Tische aufgestellt waren, aßen manche Leute an der kleinen Minibar, andere im Stehen und manche ergatterten einen Sitzplatz, die an den Wänden des Bootes befestigt waren. Es herrschte sehr lockere Stimmung, Party- Musik wurde aufgelegt und die Leute fingen teilweise auch wirklich an zu tanzen. Ich konnte nicht unterscheiden wer nun Student oder Manager waren, es machte auch keinen Unterschied. Spätestens als das Lied „Sommer of Sixty Nine“ gespielt wurde und ich mit Carls Kollegen und Chef tanzte merkte ich okay es kann nicht nur am Sekt liegen, es herrschte einfach eine ganz andere Stimmung als auf deutschen Weihnachtsfeiern.

Zu Feiern und Neues zu erleben gibt es in Melbourne reichlich Gelegenheit. Sei es in Pup mit Johannes zu gehen und dort auf zahlreiche Deutsche zu treffen oder am Strand zu chillen. In die Oper zu gehen oder in den Zoo. Weihnachtsgeschenke für Verwandte suchen oder zu Lernen, wie man Sushi selber macht. Es ist immer was los und Langeweile auf dem Kopf gibt es eh nicht!

Melbourne zeigt sich langsam von seiner wärmeren Seite, aber die 30° haben wir noch nicht erreicht.  Trotzdem ist es ein merkwürdiges Gefühl an lebensgroßen Nussknackern vorbei zu laufen, an einer Musikgruppe die Weihnachtslieder spielt, während wir mit Sonnenbrillen und Wasserflaschen den Schatten suchen, an Häusern die komplett mit roter Schleife verpackt wurden oder an dem Strandhaus in St. Kilda Beach, dessen Dach Santa Clause und seine Rentiere mit Rudolph zeigt, während wir im Meer schwimmen gehen.

Was tut man nun also, wenn man noch nicht in Weihnachtsstimmung ist? Man nimmt einen schönen regnerischen Abend, bei dem die Temperaturen auf 12 Grad sinken, kocht ein Badisches Essen mit Spätzle und Rinderbraten und schaut sich: „Merry Christmas Mr. Bean“, an. Fehlen nur noch die Lebkuchen aus dem Aldi, der Weihnachtsstollen und ein typischer Weihnachtsfilm dann kann man in weihnachtlicher Stimmung schwelgen, oder man geht dann doch mit deutschen Freunden Plätzchen backen.

Wenn man dann genug von Weihnachten hat da ist ein Umzug in eine 8er, bzw. 9er WG genau das Richtige. Unsere Vermieter wollten ab Mitte Dezember die Wohnung für eigene Zwecke nutzen und so hielten wir Ausschau nach einer neuen Bleibe, die möglichst in der Nähe des Strandes sein sollte. Wir fanden ein schönes Zimmer in Balaclava, East St. Kilda in einer 8 er WG. Die WG hat ein ganzes Haus mit Garten zu Verfügung und liegt nahe am Strand. Unser Umzug fand sehr spontan statt, frei nach dem Motto: „ Wenn wir in ein paar Monaten Australien bereisen wollen können wir auch nur soviel mitnehmen, wie wir tragen können“

In unserem neuen zu Hause fühlen wir uns sehr wohl. Die Leute sind alle sehr nett, entspannt und man ist nie alleine zu Hause. Wir sind ein multikulti Haushalt in dem größtenteils Englisch gesprochen wird, gestritten wird dann in anderen Sprachen wie Deutsch, Französich und Co.  Man lernt den Luxus, den Deutschland zu bieten hat zu schätzen und wird ein wahres Organisationstalent, wenn es darum geht sich einen Platz im Bad (es gibt nur ein Bad für 9 Leute) oder in der Küche zu sichern. Youtube Viedos anzuschauen ist eine Seltenheit, das Internet ist nahezu immer überlastet, genau wie der Kühlschrank  und das Toilettenpapier, neu eingekauft gleich wieder leer, obwohl man selbst noch nichts davon hatte. In der WG ist immer was los und der Fernseher läuft 24h lang, genau wie die Toilettenspülung und die Dusche. Inzwischen kennt man seine Mitbewohner recht gut und so sitzen Franzosen mit Käse und Wein, Deutsche mit Kartoffeln und Steak, Engländer mit Plumpudding, Irren mit Bier zusammen und genießen den Abend. Alle vereinen dann Pasta, Pizza und ein gekühltes Bier zum Feierabend.

Feierabend ist das Stichwort worauf Carl schon so lange wartet. Bald sind Weihnachtsferien und dann geht es mit dem Flieger nach Sydney zu seinen Verwandten. Dort ist dann einiges geplant, was genau wird sich zeigen und wenn uns neben Verwandten, Sehenswürdigkeiten, australischen Weihnachten und Sylvester noch langweilig wird dann können wir ja immer noch Ferien machen. In unserer WG gibt es übrigens sogar einen hübsch geschmückten Tannenbaum, wenn das kein Grund ist um Weihnachten voll zu genießen.

In diesem Sinne wünschen Carl und ich allen: „Frohe Weihnachten und ein glückliches Neues Jahr 2012“, in dem die Welt zwar nicht untergehen wird, aber wir Alle bestimmt wieder jede Menge neue Erfahrungen machen werden und wenn es mal nicht so gut läuft dann in den Worten einer Freundin: „Scheiß aufs Alte, Hallo Neues!“

 

Great Ocean Road und Adelaide

Sa. 29 Okt- Di 01. Nov

Unser erster Kurztrip führte uns von Melbourne aus auf die Great Ocean Road bis nach Portland und dann am nächsten Tag weiter bis nach Adelaide. Die Great Ocean Road ist Australiens berühmteste Straße und erstreckt sich über fast 250km von Torquay nach Warrambool.  Ein Motel in Portland, zwei CDs mit Highway Liedern und Proviant hatten wir schon vorbereitet, jetzt musste nur noch der Mietwagen in Beschlag genommen werden und die Reise konnte beginnen. Nach ein paar Unterschriften und der Bezahlung per Visa Karte war es soweit. Nur noch Carls Handy zum navigieren anschalten und unsere Reise konnte beginnen. Da wäre nur noch eins: „Carl wir müssen links fahren!!Pass auf den Mercedes auf! Ahhh du GeisterfahrerJ“ Das Handy navigierte uns zunächst aus Melbourne raus auf den West Gate Freeway /Princess Freeway Richtung Werribee. Als wir auf dem Freeway waren und das Zentrum von Melbourne hinter uns gelassen hatten, mit seinen unzähligen Fußgängern und Straßenbahnen, wurde es leichter und wir konnten uns etwas entspannen und die CD mit den Highway Liedern einlegen. Das Gefühl war unbeschreiblich schön.  Durch den Freeway hat man einen gigantischen Blick auf die Stadt von weiter oben, unzählige Autos fuhren mit einem gleichzeitig in eine Richtung und der Freeway schien unzählbar viele Fahrspuren zu haben. Ein unendliches Gefühl von Freiheit und Leichtigkeit stellte sich ein, dazu noch die passende Musik, es war fantastisch! Auf dem Princess Freeway ging es weiter bis nach Geelong. Geelong ist die zweitgrößte Stadt in Victoria und das Tor zur Great Ocean Road. Weiter ging es nach Torquay, Victorias Surfhauptstadt mit allen möglichen Surfshops und man kann tolle Strände besuchen. Nun waren wir auf der Great Ocean Road und es ging immer zu am Meer entlang. Schnell kamen wir nicht voran, denn der Ausblick war atemberaubend und so hielten wir viele Male an, da wir aus dem Staunen nicht mehr raus kamen. Wir folgten nun entspannt der Great Ocean Road und liesen die Landschaft und das Meer auf uns wirken. Man sah klassische Surfstrände mit athletischen Surfen, wilde Küsten, an denen das Meer nur so gegen die Felsen spritzte, kleine idyllische Städtchen wie zum Beispiel Apollo Bay und auf der anderen Seite viel Regenwald und unterschiedliche Tierarten. Hasen hoppelten über die Straße manchmal auch ein Känguru. Man roch überall die salzige Luft und sah viele Reisende in Buchten bei ihren Autos sitzen oder sich ins Meer stürzen. Leider fing es kurz nach Apollo Bay stark an zu regnen, so hatten wir getrübte Sicht und wir kamen nicht so schnell wie geplant voran. Bald hatten wir das Gefühl im tiefsten Regenwald zu stecken und völlig die Orientierung verloren zu haben. Ich fühlte mich als würden wir das Höllental hochfahren, doch Carl und ich waren noch richtig. Gerade als wir uns ernsthafte Sorgen machen wollten erreichten wir den Port Campbell National Park. Im Port Campbell National Park besuchten wir die Twelve Apostles, die berühmte Felsenformation aus Kalkstein. Es sind allerdings nur noch sechs Apostel übrig, die anderen hat der Ozean sich schon wieder geholt. Ich kann nur soviel sagen, nicht um sonst gehören sie zu dem bekanntesten Abschnitt der Great Ocean Road. Leider regnete es noch immer heftig als wir sie besuchten, aber die Energie des Ozeans zu spüren mit dem tobenden Wind war überwältigend. Nach den Twelve Apostles ging es eine ziemlich lange Zeit am Meer entlang und wir verloren unser Zeitgefühl und liesen uns von der Weite Australiens gefangen nehmen. Nach Peterborough ging es nur noch ein kurzes Stück am Meer entlang. Danach folgte die unendliche Weite mit kerzengeraden Straßen, riesige Farmen, unendliches Weideland, Briefkästen an der Straße und die Farmen dazu waren nicht zu sehen. Wir folgten nun nach dem Ende der Great Ocean Road in Warrambool weiter dem Pricess Highway bis nach Portland. Es war schon dunkel und so haben wir uns einmal kurz verfahren, aber dann endlich erreichten wir spät abends unser Best Western Motel. 

Am nächsten Tag ging es von Portland bis nach Adelaide. „Carl! Linke Straßenseite! Macht nichts... dann wenden wir eben!“ Okay so nun waren wir wieder auf dem richtigen Highway, dem Princess Highway der uns direkt zum Mt. Gambier führte. Wir passierten die Grenze von Victoria zu South Australia, dem trockensten Bundesstaat des trockensten Kontinents. Wir lasen an einer Grenze, die nur aus einem Schild bestand, unser Obst zurück und fuhren dann weiter Richtung Mt. Gambier. In Mt. Gambier machten wir unseren ersten größeren Stopp und schauten uns den Blue Lake an. Das Auto war trotz Klimaanlage die reinste Sauna und unsere Arme brutzelten hinter der Fensterscheibe. Durch unsere CDs  und die Hitze bekamen wir ein typisches australisches Feeling und ich muss sagen, es fühlte sich gut an. In Kingston machten wir zur Mittagszeit Rast und dort befindet sich auch der berühmte „Big Lobster“ (Lobster = Hummer:) eine echte Touristenattraktion mit sogar einer eigenen Website. Nach Kingston führte unser Weg immer weiter am Meer entlang durch viele verschiedene Nationalparks bis zu den beiden großen Lakes Albert und Alexandrina und dann direkt weiter nach Adelaide. Wir kamen bei Carls Verwandten Michael und Sally und deren Kinder am frühen Abend an, nicht ganz so spät, da die Uhren hier eine halbe Stunde langsamer laufen als in Melbourne. Wir wurden sehr herzlich empfangen und am Abend gab es ein köstliches australisches Dinner. Michael und Sally haben uns dann noch sehr viele gute Tipps gegeben für unseren nächsten Tag in Adelaide. Es war ein anstrengender, aber schöner Tag und müde vielen wir in Emilys Bett, um uns herum ein rosa Spielparadies.

Wir machten uns ein typisch australisches Frühstück, wobei ich natürlich gleich mal so ein Pulver ausprobieren musste, was am Ende so schmeckte wie Grießbrei. Carl probierte ein Vegemitebrot, aber er bekam mich nicht dazu überredet seine andere Hälfte zu essen, denn ich kannte den wunderbaren Geschmack schon. Bald darauf starteten wir mit unserer Tour durch Adelaide. Wir fuhren zuerst auf den Mt. Lofty. Ein wunderbarer Berg mit tollen Weinregionen auf der einen und mit einer fantastischen Aussicht auf der anderen Seite. Nach dem wir uns etliche Male in den gleichen Weinregionen verfahren hatten gelangten wir zu einer Aussichtsplattform. Nach dem wir einen ersten Eindruck von Adelaide gewonnen hatten fuhren wir nach Glenelg, ein beliebter Strand von Adelaide, der wunderbar geeignet zum Baden ist. Leider hatten wir unser Schwimmzeug nicht dabei, das Wasser war schon warm genug zum Baden, zumindest wenn man die Nord- und Ostsee kennt. Von den Australiern war allerdings noch keiner im Wasser. In Glenelg kauften wir uns etwas zum Mittagessen und hatten Lunch am Strand. Anschließend besuchten wir ein kleines Museum mit lustigen altmodischen Automaten, bei denen man die verrücktesten Dinge entdecken konnte und sich zum Beispiel auch die Zukunft voraussagen lassen konnte. Am Nachmittag fuhren wir nach Adelaide rein und suchten die Innenstadt ohne zu merken dass wir längst in ihr waren. Die Innenstadt von Adelaide ist eingeschlossen von einem großen Park mit Flüssen und hübsch angelegten Blumenbeeten, man merkt, dass Adelaide  vor ihrem Bau geplant wurde. Adelaide ist Stolz darauf eine freie Siedlungsstadt zu sein und nicht ihren Ursprung als Sträflingskolonie gehabt zu haben. Wir schlenderten gemütlich durch verschieden Parks, vorbei am Zoo weiter zur Universität und zu Museen. Wir liefen durch zahlreiche Einkaufspassagen und genossen das bunte Treiben und die Sehenswürdigkeiten, die Adelaide zu bieten hat. Am frühen Abend machten wir uns auf den Rückweg zum Auto da fiel es uns wieder ein, wir durften ja eigentlich nur bis 17 Uhr kostenlos dort parken. Es wurde uns auf einmal ganz anders und wir machten uns Sorgen um den Mietwagen, also schnell zurück zum Auto. Es war ein Kopf an Kopf rennen zwischen Carl und mir. Jeder wollte schneller sein als der Andere damit er ihn dann antreiben konnte. Naja auch eine gute Technik, so im nachhinein betrachtet, um voran zu kommen. Als wir nach gefühlten Stunden endlich beim Auto ankamen waren wir schon eine ganze Stunde zu spät. Aber wir hatten Glück gehabt, es war noch da. Erleichtert liesen wir uns erst mal in die Sitze fallen, doch wirklich durchatmen konnten wir erst, als das Auto wieder unbeschadet bei Micheal und Sally vor dem Garten stand. Wir hatten so eine ungefähre Ahnung, wo wir hin mussten, aber die löste sich schnell wieder in Luft auf, als der ganze Feierabendverkehr noch dazu kam. Ich weis nicht wie viele Runden wir in Kreisverkehren gedreht haben, bis das Handy endlich die rettende Navigation übernahm. Heute war Halloween und so wunderten wir uns nicht, als Emily als Hexe verkleidet auf uns zu lief, als wir wieder bei den Sanders ankamen.  Wir hatten leckeres Dinner, saßen noch lange beisammen und genossen den Abend mit Champagner, zeigten Bilder aus Deutschland und schauten uns Urlaubsbilder von den Sanders auf Känguru- Island an. Es war ein schöner Abend und wurde noch witziger, als Emily mir ihren großen Harry Potter Ordner zeigte zum Spielen. Einfach so gut! Carl und ich gingen ins Bett aber nicht ohne vorher noch viele gute Tipps für den Heimweg bekommen zu haben und auch noch für viele Tagesausflüge die man alle von Melbourne aus unternehmen kann.

Für die Rückfahrt nach Melbourne hatten wir nur einen Tag eingeplant und so nahmen wir den direktesten Weg nach Melbourne, der uns zwischen der „Big Desert“ und der „Little Desert“ hindurch führen sollte. Nach dem Frühstück verabschiedeten wir uns von den Sanders, fuhren aus Adelaide heraus und nahmen den Dukes Highway Richtung Bordertown. Das Gefühl der Weite die uns auf dieser Fahrt überfiel kann man nur schwer beschreiben. Auf der Great Ocean Road sieht man das Meer und man kann sich daran orientieren, aber auf dem Weg nach Bordertown verloren wir komplett die Orientierung für Zeit und Raum. Insgesamt fuhren wir ca. 850 km am Stück und verloren uns in der Größe des Landes. Der Dukes Highway führte oft gefühlte Stunden schnurgerade aus und es gab nichts zu sehen außer unendliche Weite, ein vereinzeltes Auto oder ein paar riesige Lastwägen, die uns überholten mit ihren großen Schnauzen. Alle paar Stunden machten wir Halt und waren froh der Hitze des Autos, trotz Klimaanlage voll aufgedreht, zu entkommen. Wenn wir an einer Tankstelle vorbei kamen überlegten wir immer gut, ob der Sprit noch reichte, denn manchmal gab es die nächsten hundert Kilometer keine mehr. Als wir wieder einmal eine kurze Pause einlegten, entdeckte ich, dass unser Auto Flüssigkeit verlor. Wir überprüften also mitten im Nirgendwo Öl und Wasserstand mehr konnten wir nicht tun. Carl und mir wurde auf einmal ganz anders und die befreiende Weite wirkte auf einmal bedrückend leer. Als wir so in der Mittagshitze irgendwo zwischen South Australia und Victoria standen und den Ölstand überprüften kam sogar nach einer halben Stunde ein Auto vorbei, dass sofort anhielt und sich erkundigte, ob bei uns alles in Ordnung sei. Es war ein beruhigendes Gefühl zu wissen, dass die Australier nicht einfach vorbei fuhren sondern hier in dieser Einöde sehr hilfsbereit waren. Mit dem Auto schafften wir es dann aber doch noch bis nach Melbourne, aber vorher hielten wir nachmittags noch an einem Rastplatz an, um aus dem Radio den Melbourne Cup zu verfolgen. Der Melbourne Cup ist das Ereignis in Melbourne, ein Pferderennen, bei dem die ganze Nation den Atem anhält. In Victoria ist der erste November sogar ein offizieller Feiertag, weshalb Carl und ich auch die Gelegenheit nutzten und den Kurztrip nach Adelaide unternahmen. Da standen wir nun also mit einem aufgebrühten Kaffee in der Hand, hier gibt es an manchen Rastplätzen kostenlos Kaffee, damit die Fahrer wach bleiben, und lauschten zusammen mit ein paar anderen Reisenden dem Melbourne Cup. Bald darauf waren wir wieder auf dem Dukes Highway, der als wir die Grenze zu Victoria passierten zum Western Highway wurde. Es wurde langsam dunkel und je näher wir Melbourne kamen, desto kälter und grüner wurde es. Bald waren die trockenen und staubigen Straßen passé und erste Regenwolken zogen am Himmel auf. An einer Autobahnraststätte hielten wir an und aßen im KFC zu Abend. Als wir nach Melbourne rein fuhren war es schon Nacht, aber die beleuchtete Skyline von Melbourne zeigte uns den Weg. Als wir in Melbourne waren schalteten wir das Handy mit unserer Navigation wieder an, damit wir eine Ahnung bekamen wie wir am besten nach Ivanhoe gelangten. Was für eine große Stadt Melbourne ist erkannte ich im vollen Ausmaß erst heute Abend. Wir fuhren durch Tunnels, Highways die wieder aus der Stadt hinaus führten, und durch viele große Straßen, auf denen einzeln soviel Verkehr war, dass der ganze Verkehr von Freiburg auf die Straße gepasst hätte. Als wir durch unendliche viele Vororte geirrt waren kamen wir endliche in Ivanhoe an. Ohne auch nur irgendetwas auszupacken gingen wir sofort schlafen und konnten noch gar nicht in Worte fassen, was wir die letzten Tage alles erlebt hatten.

 

Langeweile auf dem Kopf gibt's nicht!

Mo 19.09-  Fr 28.10

Seit 58 Tagen steht die Welt für uns nun schon „auf dem Kopf“ und wir fühlen uns sehr wohl in Down under! Langeweile gibt es nicht und wir genießen den australischen Lebensstil. Jeder Tag hält seine ganz eigenen Überraschungen bereit und ist so abwechslungsreich wie das Wetter in Melbourne selbst. So hat man hier an einem Tag sehr heiße Temperaturen, bei denen man nur in kurzer Hose und Top herum laufen will und nicht vor zwei Uhr nachts einschlafen kann, dann folgt die Regenzeit, ohne Vorbereitung, kalt und man hofft, dass die Heizungen abends von selbst anspringen.

So ging es uns auch an jenem Tag in September. Ich bin am späten Nachmittag noch in der Stadt um mir eine neue Hose zu kaufen. Dank der Wegbeschreibung von Carls Kollegin finde ich schnell das gesuchte Einkaufszentrum. Sie hat mir eine kleine Liste mit guten Tipps zum Shoppen gehen zusammengestellt. Als ich gerade die Straße zur Flinders Street Station überquere donnert es auf einmal gewaltig. Hunderte Menschen, die die Straße mit mir überqueren zucken zusammen. Ich sitze gerade im Zug da fängt es richtig an. Es donnert und blitzt, dann fängt es in Strömen an zu regnen. Der Himmel öffnet seine Schleusen und es hört nicht mehr auf. Unser Zug stoppt auf halber Strecke, nichts geht mehr, um uns nur rabenschwarze Nacht. Das Licht fällt aus und der kleine Junge vor mir spannt im Zug seinen kleinen Batman- Schirm auf und versteckt sich darunter. Als ich endlich völlig durchweicht zu Hause ankomme, kommt auch gerade Carl. Der Regen war so heftig, dass sein Chef ihn nach Hause gefahren hat, obwohl er hat eigentlich nur 8 Minuten zu Fuß hat. Der starke Regen hält vier Tage an, wo war nochmal die Hitze der letzten Tage?

Wenn dann aber wieder die Sonne scheint, freuen Carl und ich uns auf das Meer. Es ist purer Luxus, dass wir nur eine Stunde fahren müssen und sich dann das geliebte Meer vor uns erstreckt. Schwimmen waren wir noch nicht, aber wir waren schon bis zu den Oberschenkel im Wasser und es war herrlich. Wir sind absolute Wasserfans und fahren auch nur mal für ein kleines Abendessen bei Sonnenuntergang in unseren Windjacken nach St. Kilda, Altona, Brighton oder Melbourne Beach.

Besonders faszinierend ist für uns ist die vielfältige Unterwasserwelt. Um sie noch besser kennen zu lernen waren wir im Melbourner Aquarium. Der Eintritt ist recht teuer mit $33,50 für mich, aber Carl bekommt eine Ermäßigung, weil er einen internationalen Studentenausweiß hat. Im Aquarium selber kamen wir aus dem Staunen nicht mehr raus und waren fasziniert von den verschiedenen Lebewesen. Zum Glück hatte ich daran gedacht meine Kamera mitzunehmen und so sind ein paar wunderbare Bilder entstanden. Die Vielfältigkeit der Unterwasserwelt ist einfach unglaublich. Zu sehen gibt es unter anderem Muränen, große Tintenfische, feingliedrige Seedrachen, Haie, Seesterne und vieles mehr. Muntere tropische Fische und große Rochen schweben über dem gewölbten, durchsichtigen Besuchertunnel umher. Im Arktisbereich gibt es Königs- und kleine Eselpinguine zu sehen. Man kann hier auch einen Tauchgang mit Haien buchen, allerdings ist der recht teuer und die Tauchlandschaft doch sehr begrenzt im Vergleich zum Meer. Für den Eintritt hätten Carl und ich gerne noch mehr gesehen. Besonders enttäuschend waren die Korallenriffe, die fast alle tot waren. Wir können es kaum erwarten selber tauchen zu gehen und dann lebende Korallen zu sehen. Carl kam gar nicht mehr raus aus dem Schwärmen vom Great Barrier Reef unsere Sehnsucht nach ihm steigt.

Eine neue Sucht kann man schon sagen ist für uns das multikulturelle Essen hier geworden. Carl ist besonders süchtig nach Sushi. Das ist hier einfach der Hammer und es ist viel preiswerter als in Deutschland. Wir waren zum Beispiel aber auch schon zweimal malaysisch essen. Ein echtes Geschmackserlebnis!

Am ersten Oktober treffen wir uns mit Johannes an der Flinders Street Station dort gehen wir in einen Pup. Das große AFL (Australien Football League) Finale startet und das wollen wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Ganz Australien ist am mitfiebern. Wer wird gewinnen Collingwood oder Geelong Cats? Wir haben rausgefunden, dass wir für die Cats sein müssen, denn Collingwood ist wie bei uns Bayern München in der Bundesliga;) Der Pup ist sehr gut besucht. Überall sind Leinwände oder Fernseher aufgebaut. Johannes, Carl und ich machen uns auf Richtung Nebenzimmer. Die Stimmung ist schon sehr gut. Überall sind Fans, Junge und Alte gemeinsam am Bier trinken. Wir entscheiden uns für einen Stehplatz, keine Sorge man fällt nicht um, dafür ist gar kein Platz. Carl und Johannes ziehen los und testen sich durch die verschiedenen Biersorten, während ich den Platz frei halte. Das Spiel kann beginnen. Jubel, Anfeuerungsgesang, Mitfiebern, Alkohol und mit jeder Menge Spaß kann man das Spiel beschreiben. Wir baden im angespannten Fiebern der Menge. Australisches Football ist eine Mischung zwischen Fußball und Rugby, zwei Mannschaften versuchen mit allen Mitteln, den Spielball zwischen vier Stangen durch zubekommen. Außen durch geschafft gibt es nur auf beiden Seiten jeweils ein Punkt, in der Mitte sechs. Es gibt auch einen Schiedsrichter, der meiner Einschätzung nach nur dafür da ist, die Haufen aus Spielern die sich ineinander verbeißen wieder aufzulösen, damit die Spieler nicht in den Schwitzkasten der Anderen sich noch ernsthaftere Schäden zu fügen. Alles in allem ein sehr interessantes Spiel, was Spaß macht zu zuschauen und mit einem Caiprissima noch viel lustiger wird. Von Wegen man bekommt keine Cocktails in einem Pup;) Einfach nur die Treppe rauf und sich durchfragen! Nach „unserem“ erfolgreichen Sieg, die Geelong Cats haben gewonnen machen wir uns zu Dritt auf in Richtung Chinatown um dort noch lecker Abendessen zu gehen.

Das nächste Wochenende sind wir mit unseren Gedanken bei der Hochzeit von Annika und Nico und bei der Taufe von Finn. Ich glaube Carl wäre sehr gerne dabei gewesen, ich selber natürlich auch. Wir haben für sie ein Video am Meer gedreht in dem wir ihnen allen alles Gute wünschen. Wir haben dafür ein großes Herz in  den Sand gemalt mit den Anfangsbuchstaben von Annika und Nico. Für Finn hab es auch ein kleineres Herz mit seinem Namen darinnen gemalt. Wir hoffen, dass die Drei sich über das Video freuen wenn wir schon selbst nicht an der Feier dabei sein können.

Den Alltag in Australien nehmen wir mit einer großen Portion Humor.  Hier steht halt doch alles auf dem Kopf: Sushi bekommt man in der Sushi Bar nicht, aber einkaufen kann man bis um 24 Uhr jeden Tag. Will man hingegen eine Briefmarke kaufen, dann muss man sich erst frei nehmen, denn die Australische Post schließt schon um 16 Uhr genau wie die Commonwealth Bank. Verhext dieses Land, in dem die Menschen auf dem Kopf laufen. Jeder macht hier sein eigenes Ding und die Öffnungszeiten sind nicht gerade allgemein gehalten. Die Werbung, die hier gemacht wird gefällt Carl allerdings sehr gut. Es vergeht keinen Tag, an dem er nicht an irgendeinem Plakat vorbei kommt und stehen bleibt, um sich dann köstlich zu amüsieren. Besonders angetan hat es ihm jedoch der Apple Store. Ja es gibt einen Apple Store  bei uns in dem kleinen verschlafenen Ivanhoe. Naja aber kein Sushi, trotz einer Sushi Bar... so ist das halt;)

Australien hat aber auch eine andere Seite, eine gefährliche! Es ist halt eben das Land der Extreme. Wir hatten schon zwei schwarze große Spinnen in unserer Wohnung. Eine im Badezimmer, eine unter unserem Bett. Ich bin gerade barfuß durch die Wohnung gehüpft, als die Spinne unter unserem Bett hervor kam, auf dem Carl gerade lag. Wir haben für solche Fälle ein Giftspray, aber die Tiere sind nicht tot zu bekommen. Statt zu flüchten rennen sie auf einem zu. Mit Spinnen wird man hier noch relativ leicht fertig, im Vergleich dazu was Carl und Johannes auf ihrem Weg zum Mittagessen in Ivanhoe erlebt haben. Auf dem Grünstreifen war eine große Schlange, noch etwas starr und ungelenkig, aber gefährlich tödlich! Die Schlange hatte die Jungs zu spät bemerkt, die Jungs aber Gott sei Dank noch rechtzeitig die Schlange. So konnte die Schlange die Böschung runter fliehen. Carl kommt sichtlich geschockt nach Hause, fehlte doch nur noch ein halber Meter bis zur Schlange. Wir finden heraus, dass es eine Östliche Braunschlange war, die zweitgiftigste Schlange der Welt.

Bei solchen Begegnungen wird man daran erinnert jeden Tag zu genießen und genau das haben wir auch vor. Dieses Wochenende geht es auf die Great Ocean Road Richtung Adelaide. Wir werden am Samstag einen Zwischenstopp in Portland einlegen und am Sonntag dann Adelaide erreichen und dort mit Michel und Sally und den Kindern BBQ haben. Dienstag geht es dann wieder zurück nach Melbourne und die nächsten spannenden Tage auf dem Kopf beginnen.

 

Unser turbolenter Start in Melbourne

So 04.09- So 18.09.2011

 

Endlich wieder Boden unter den Füßen, noch zwei weitere Sicherheitskontrollen und endlich eine Toilette, in der man sich einmal um die eigene Achse drehen kann. Carl wir haben es geschafft!

Okay du, ich musste nochmal durch den speziellen Bereich in dem Spürhunde nach Drogen suchen.  Der Beagle hat ziemlich lang an meiner Pille geschnüffelt, ich muss schon sagen...

Endlich hatten es wir beide geschafft und da war auch schon Keith, Carls Chef, der uns glücklicherweise abholte und uns zu unserem Hostel fuhr. Dafür sind wir ihm sehr dankbar. Die Aussicht auf die Straßen von Melbourne bei Nacht war einfach fantastisch. Wir waren schon auf sehr weitere Eindrücke von dieser schönen Stadt gespannt.

Unser erstes Frühstück in Australien genossen wir im Park an der Flagstaff Station, direkt neben unserem Hostel. Es waren sehr viele Geschäftsleute in ihrer Mittagspause da, die in Anzug und Krawatte ihre Stullen aßen. Nach dem Frühstück mussten wir leider wieder zurück ins Hostel, weil wir dachten es wäre wärmer. Fehlanzeige! Wir holten unsere Fleece und marschierten dann wieder los Richtung Flagstaff Station Von dieser aus nahmen wir eine uralte Straßenbahn „City circle“, die kostenlos ist und durch die Innenstadt fährt. Wir kamen am neuen Victoria Hafen vorbei und fuhren dann bis „Elizabeth Street“, Flinders Street Station. Dort kauften wir ein Ticket für die Zone 1 und fuhren mit der Straßenbahn 16 bis St. Kilda Beach.

Dort angekommen, erwartete uns ein traumhafter Ausblick auf das Meer. Wir chillten uns etwas an den Strand und machten Fotos und genossen den Augenblick, „wie im Urlaub, wie die Ostsee, nur wärmer hier“, so Carl. Das Meer war klar und der Strand sauber. Auf einem schmalen Steg konnte man ein paar Meter weit aufs Meer hinauslaufen und dabei nach Fischen und dem Meeresboden Ausschau halten.

Am nächsten Tag, in der Dusche entdeckte ich dann das erste Insekt in Australien. Es sorgte für eine sehr angespannte Angelegenheit unter der Dusche, denn es hing direkt über mir. Für den heutigen Tag hatten wir uns eine Tagesfaltrate für das Internet gekauft für 9.95$. Wir beantragten unsere Tax File Numbers. Auch ein Konto bei der Commonwealth Bank wollten wir beantragen, aber leider funktionierte das nicht, da wir keine Australische Staatsbürgerschaft, Führerschein oder Krankenkarte hatten. Also machten wir uns auf den Weg uns eine Sim- Karte zu kaufen, die wir auch noch benötigten, da wir eine australische Telefonnummer brauchten. Im Einkaufszentrum fanden wir einen Vodafonstand und verließen ihn nach einigen Sprachschwierigkeiten auch erfolgreich mit zwei neuen Sim- Karten. Für die Commonwealth Bank war es leider schon zu spät, die schloss um 16.15Uhr.

Die Nächte in Melbourne sind noch sehr frisch und es regnet auch immer wieder. Viel zu früh, um 06.22 Uhr war die Nacht vorbei. Mein Handy klingelte. Carls Handy ist gar nicht erst runter gegangen.  Wir machten uns auf den Weg zur Flagstaff Station, von der aus wir den Zug um 7.46Uhr nahmen Richtung Hurstbridge. Ich machte mich, nach dem wir den Weg erfolgreich zu Sick gefunden hatten, und Carl in dem Gebäude verschwunden war, auf zur Commonwealth Bank. Am Schalter fragte ich mich durch und wurde schließlich von einem netten Fräulein bedient, die mir munter jede Menge persönlicher Fragen stellte. Am Ende war ich super stolz. Mein Konto ist beantragt, ich habe es geschafft und das auch noch vor Carl.

Am Abend fragte ich ihn über seinen ersten Arbeitstag aus. Es hat ihm sehr gut gefallen, er hat die Leute gleich alle kennengelernt und war mit zwei Chefs, von vier und Johannes, einem anderen Studenten Mittagessen. Carl ist sein eigener Projektmanager und ich habe das Gefühl, er ist stolz auf sich und freut sich auf die neue große Aufgabe voll ausgerüstet mit eigenem PC. Nach dem Essen erwartete uns eine böse Überraschung. Vor 20 min hatte uns unsere Vermieterin eine Email geschrieben, mit der Nachricht, wir könnten erst am Samstag, also zwei Tage später, in die Wohnung einziehen. Ein ziemlicher Schock, ist das Hostel doch sehr teuer und am Wochenende schlägt es sogar nochmal auf. Naja nach zwei Telefonaten mit unserer Vermieterin steht fest, uns bleibt nichts anderes übrig als nochmal zur Rezeption zu gehen und unseren Raum zu verlängern, doch das können wir uns eigentlich nicht leisten!

So mussten wir morgens um 10Uhr auschecken und dann später wieder einchecken in einen kleineren Raum. Carl und mich hat es ziemlich genervt, wissen wir doch nicht, ob wir am Samstag dann die Wohnung haben können. Unsere Vermieterin hat uns dies zwar zugesichert auf den Vormittag, aber sicher sein können wir uns nicht, wer weiß, wie es sich die Inderin bis Samstag wieder überlegt.

Bei uns ist es momentan ziemlich turbulent. Gestern Nacht ging um zwei Uhr der Feuermelder runter, mitten in der Nacht, Carl dachte erst ich wäre es, aber dann sind wir nur in Schlaf Sachen aus dem vierten Stock runter und das sehr leicht bekleidet.... naja die Feuerwehr kam zumindest gleich angerückt mit drei Einsatzwägen. Nichts dramatisches, jemand hat Deo vor dem Rauchmelder versprüht, aber es war doch ziemlich nervig.

Einkaufen macht hier sehr viel Spaß. Der Supermarkt ist voll groß und hat jede Menge Fertiggerichte aber auch viel Fleisch. Soviel Speck Varianten hab ich noch nie gesehen, drei Regale mit Speck, bzw. so einer Art Schinken. Pizzen gibt es mit Vollkornteig, Maisteig, und Sauerteig oder Classic, eine riesen Auswahl. Zudem ist da noch der Chinatown. Ich hab noch nie indonesisch, marokkanisch, südafrikanisch, libanesisch, .... gegessen, hier gibt es aus jedem Winkel der Welt Essen, dafür ist Melbourne bekannt. Melbourne ist die multikulturelle Stadt in Australien, das ist schon Klasse.

Nach unserem Auschecken heute morgen und dem wieder Einchecken haben wir einen voll hübschen Raum mit einem richtigem Doppelbett und Fernseher und eigenem Bad bekommen. Im neuen Zimmer angekommen bewarb ich mich auch gleich telefonisch und hatte Erfolg. Die Chefin schien interessiert und erklärte mir den Weg zu ihrem Laden. Dort angekommen fragte ich nach Christina, erst hieß es, sie ist nicht da, dann konnte ich sie aber doch sprechen. Eine nette Frau aus Ivanhoe, wo wir bald hinziehen werden, die sich interessiert mit mir unterhielt, wobei es weniger um den Job ging. Ich gab mein Bestes und zum Abschied stand trotz meinem fehlerhaften Englisch fest, dass ich am Donnerstag für vier Stunden Probe arbeiten durfte.

Nachdem unser Wecker viel zu früh klingelte wussten wir, heute war der große Tag gekommen, wir ziehen endlich in unsere Wohnung ein. Gerade als wir unser Zimmer verlassen wollten. Ging der Feueralarm erneut runter. Genervt aber auch voller Adrenalin ließen wir  unser Gepäck stehen und liefen zügig die Feuertreppe vom fünften Stock  hinunter. Draußen hatten sich die ganzen Hostel Mitbewohner versammelt und zitterten wie wir in der Kälte. Diesmal hatte ich zwar meine Jacke dabei, aber meine Haare waren noch nass von der Dusche und so fror ich im eiskalten Wind. Carl fühlte sich nicht besser, schien er doch richtig krank zu werden. Die Feuerwehr kam und bald darauf konnten wir auch wieder ins Hostel zurück- nur Fehlalarm! Zum Glück ja, aber unser Zug hatten wir trotzdem verpasst. So riefen wir Sabine, unsere Vermieterin an, dass es später werden würde, aber sie würde dann nicht mehr da sein, da sie ihre Kinder vom Kindergarten abholen musste.

Dort angekommen machte uns Carolyn eine Mitbewohnerin auf und zeigte uns die Wohnung und das Haus. Das Haus ist U- förmig gebaut und hat zwei Gemeinschaftsräume mit Fernseher und Waschmaschine. Unsere Wohnung ist  gut geschnitten und hat alles was man zum Leben braucht. Nach unserem Einzug erstellten wir eine kleine Liste mit Dingen, die wir für die Wohnung noch brauchten. Das ging ziemlich ins Geld, aber zurück in der Wohnung waren wir sehr froh darüber und ließen gleich unsere neuen Bettlagen in der Waschmaschine laufen. Dann machten wir uns ans Aufräumen. Wir reinigten das Bad zusammen und Carl bezog dann unsere Betten, während ich die Küche näher unter die Lupe nahm. Wir hatten einiges zu tun, aber der Aufwand hat sich gelohnt. Die Wohnung wurde wohnlich. Um 17Uhr kam dann noch die Vermieterin vorbei. Wir zahlten Kaution und erhielten den Mietvertrag und weitere Informationen, die wir bis Montag durcharbeiten und unterscheiben sollten.

Am späten Nachmittag entschied sich Carl dann doch noch mit nach St. Kilda zu kommen und sich von mir meinen Lieblingsort zeigen zu lassen. In St. Kilda angekommen, hatte ein Rummelmarkt seine Pforten geöffnet am Strand selber war aber nichts los. Wir liefen am Meer entlang Richtung Melbourne Innenstadt und genossen den Sonnenuntergang. Es war traumhaft schön und wir vergaßen das tobende Meer um uns herum. Dann führte ich Carl auf den Pier der kilometerlang hinausführt und an dessen Ende das schnucklige Caféhaus „Le Blue“ war. Es hatte leider schon zu, aber das konnte unsere Laune nicht trüben, glänzte doch die sagenhafte Skyline von Melbourne herüber. Wir liefen um das Caféhaus herum und wanderten auf Steinen weiter hinaus. Um uns das tobende Meer, das riesige Wellen hatte und gegen unsere Felsen spritzte. Der Wind war mächtig und so hielten wir uns an den Händen fest. Hinter den Felsen geschützt konnte man eine riesen Menschenmenge sehen, alle auf der Suche nach kleinen Pinguinen. Doch die Menge fand keine. Carl und ich hingegen liefen noch ein Stück weiter und entdeckten einen kleinen  Pinguin. Ich geriet ins schwärmen, aber Carl bat mich leise zu sein schließlich hatte der Pinguin noch Junge und es wäre besser, wenn er mit seinen Kleinen nicht gestört werden würde. Das hatte ich gar nicht gesehen. Ich war entzückt. Langsam ging die Sonne in der Port Phillip Bay unter und das Meer brauste nur so.

Am Mittwoch traf ich mich mit Carl und Johannes, Carls Studentenkollege, an der Kreuzung zur A’Beckett Street, in der unser Hostel Normads lag. Ich lernte Johannes kurz kennen und wir machen uns zu dritt auf um ihm Aldi einzukaufen. Carl ist auch gleich begeistert vom Aldi. Carl ist so oder so ein großer Aldi Fan, aber Johannes scheint noch nicht zu wissen, was er kaufen will. Ich diskutiere mit Carl hin und her, denn wir haben nur ein begrenztes Budget pro Woche, und das wollen wir nicht überschreiten.

Ich glaub ich hab den gleichen Infekt bekommen wie Carl. Wie sagte einer seiner Arbeitskollegen doch, wir sind halt noch nicht gegen die Viren hier immun. Naja Carl hat es wirklich erwischt, aber ich hatte noch einmal Glück!

Mein Probearbeiten am kommenden Tag im Queen Victoria Market war sehr interessant und lehrreich. Ich war gleich im Verkauf und für alle Kunden zu ständig ohne Einarbeitungszeit. Es war ein spannender Tag, aber die Arbeitsbedingungen und das Klima für mich ein no-go!

Am Samstag haben Carl und ich einen Ausflug nach Brigthon Beach gemacht. Am Strand angekommen haben wir gleich unsere Schuhe ausgezogen und sind mit den Füßen ins Meer gewatet. Das Wasser war noch äußerst kalt, aber wir haben es trotzdem genossen. Nach einem kleinen Spaziergang am Strand haben wir Windsurfern zu geschaut und den Wind um unsere Ohren genossen. Es war ein tolles Feeling. Das Wasser spritzte auf die Felsen, auf denen wir saßen und Muscheln lagen duzendfach unter unseren Füßen.

Nach dem ich Carl auf ein Softeis eingeladen hatte, liefen wir als weiter den Strand entlang, bis wir zu einer ganzen Reihe voll mit bunten Häusern kamen. Wir setzten uns auf die Stufe eines Hauses und schauten den vorbeilaufenden Leuten zu. Kinder die mit ihren Eltern unterwegs waren, Hunde komischerweise fast alle mit weißer Fellfarbe und ganz viele Japaner, die gar nicht genug von den bunten Häusern bekommen konnten. Ständig machten sie Fotos von ihnen, in den komischsten Posen. Pro zwei japanische Touristen kam ein privater Fotograph. Dann trafen wir auch noch auf zwei Brautpaare, die ebenfalls Fotos schossen. Schwimmer waren keine im Meer bis auf zwei Jungs, die allerdings sich nicht ganz hinein trauten.

Nach dem wir das traumhafte Meer genossen hatten, machten wir uns durch das edel Brigthon wieder zurück zur Railway Station auf. Dabei kamen wir an vielen Luxusvillen vorbei und an einigen sehr edlen Restaurants.

Wieder in Melbourne stiegen wir Southern Cross aus und liefen auf der gegenüberliegenden Seite des Yarra Rivers zur Flinders Street Station um dann uns wie andere verliebte Pärchen an das Ufer des Flusses setzten und die romantischen Beleuchtungen genossen, wie im Film.

Am späten Sonntagnachmittag erkundeten wir den Rockbeare Garden der nur ein paar Minuten Gehzeit von unserem Haus aus liegt. Der Park, glich mehr einem Urwald und wir erkundeten die Parklandschaft. In der Mitte des Parks gab es einen Bereich extra für Hunde, die sich dort austoben konnten. Wir setzten uns auf eine Bank und schauten den vielen verschiedenen Hunden zu, die gemeinsam harmonisch miteinander spielten. Dann stiegen wir noch etwas höher an, wo dann auf einmal ein Schild war, mit einer Schlangenwarnung. Allerdings erst ab Oktober. Ja es stimmt, so langsam wird es wärmer in Australien, gestern hat eine Art Mücke Carl und mich gestochen und unsere Haut scheint das Gift definitiv noch nicht zu kennen. Am Abend gingen wir noch zusammen einkaufen und stellten erfreut fest, dass wir dies Sonntagsabends um 22Uhr problemlos tun können.

 

Hinreise

Sa 03.09

 

Morgens um kurz nach 4.00 Uhr klingelt erst Carls Wecker wie verrückt, danach geht auch noch mein altes Nokia Handy runter. Man kann sagen, trotz drei Stunden Schlaf sind wir relativ wach. Während Carl zum 20 mal die Packliste durch geht, wir haben dank ihm und Excel nichts vergessen, springe ich nochmal kurz unter die Dusche. Carls Eltern bringen uns zum Freiburger Bahnhof, von dem aus unsere Reise startet. Am Bahnhof besorgt uns Margrit noch eine kleine Flasche Wasser und überreicht uns ein kleines Vesper, wie ihr bestimmt schon gemerkt habt, hatten Carl und ich das Frühstück vergessen und das obwohl Carl noch extra Lebkuchen gekauft hatte. Zum Abschied kommen auch noch meine Eltern mit meinem Hund Sandy vorbei. Sandy schien nur noch Carl und mich wahrzunehmen und das obwohl sie sonst jeden Hund herausfordert.

Pünktlich um 5.45Uhr fährt unser ICE nach Mannheim ein. Gut gelaunt, verabschieden wir uns von unseren Eltern, der Abschied von Sandy fällt ihrerseits etwas lauter aus. Während wir zwei freie Plätze finden und Diethard zu winken, versuchen Margrit und meine Eltern Sandy zu beruhigen, was auch gelingt, als wir außer Sicht sind- unsere Reise kann beginnen.

Während Carl noch unsere Tickets dem Schaffner zeigt, bin ich auch fast schon eingeschlafen etwas erschöpft von der fünffach Impfung gestern. Leider werde ich zwei Stunden darauf auch schon wieder aus dem Schlaf gerissen. Mannheim noch fünf Minuten. Carl, wie immer gut informiert, meint wir können ja schon mal aufstehen, naja Carl zu früh! Denn wenige Sekunden später kommt es zu einem Personenschaden. Das Deutsche Bahn Personal etwas im Chaos versinkend mit Notfallmanager an seiner Seite,  geht erst mal rauchen, bis die Polizei und der Notarzt eintrifft. Die scheinen wiederrum schon in ihrer Mittagspause zu sein, denn der Notarzt kommt nicht, nur eine Polizistin die gelangweilt drein schaut. Für die Reisenden ist die Situation alles andere als schön und so bleibt uns nichts anderes übrig als 90 Minuten zu warten und den einfahrenden Zügen nach Mannheim zu zuschauen. Als wir endlich unser Ziel erreichen, haben wir gerade mal drei Minuten Zeit um von Gleis 3 auf Gleis 19 zu kommen. Also werfe ich die beiden Rucksäcke über und renne los, Carl mit Back Pack und meinem Koffer im Arm hinter her. Ein ziemlicher Wettlauf gegen die Zeit. Die Jungs im Abteil sichtlich überrascht wie stark wir nach Luft ringen, aber hey Hauptsache geschafft!

Doch der Wettlauf gegen die Zeit sollte noch nicht enden. Am Flughafen in Frankfurt angekommen sind wir schon spät dran. Wir haben nur noch eine Stunde bis zum Start des Flugzeugs. Doch zuerst müssen wir noch zu Terminal 2 wechseln. Was uns rasch gelingt ohne einmal die Infotafel zu lesen. An dieser Stelle herzlichen Dank an Margrit, die uns immer wieder erinnerte einen frühen Zug zu nehmen und Kerstin, die schon am Dienstag bei einem klasse Mädelzabend unser Terminal raussuchte.

Doch wir sind trotz allem zu spät. Der Schalter ist schon geschlossen. Ein leiser Anflug von Panik kriecht in mir hoch. Carl macht sich auf zur Information, bereit alles zu beichten über den Personenschaden, während ich tapfer zum Schalter schreite. Ohne auch nur so zu tun, als ist mir bewusst, dass  über dem Schalter „closed“ steht, reiche ich der Frau am Schalter unsere Reisepässe und Flugtickets. Carl kommt endlich auch herüber gejoggt, allerdings ohne vorher beim Informationsschalter gewesen zu sein. Dann beginnen die längsten Minuten unseres Lebens. Die Frau kann unsere Sitzplätze nicht mehr finden, da sie bereits für andere Passagiere frei gegeben worden sind. Wie wild telefoniert sie los, das Telefongespräch geht hin und her bis der Computer uns endlich als Passagiere an Board erlaubt. Die Koffer werden von Hand noch zum Flugzeug gebracht und wir rennen los zum Boarding. Da ist zum Glück eine riesen Schlange. Durch die Sicherheitskontrollen kommen wir ohne Probleme und so sitzen wir weniger Minuten später im Flugzeug auf dem Weg nach Abu Dhabi.

Der Flug dauert sechs Stunden und ist sehr angenehm. Carl überredet mich Kung Fu Panda 2 zu schauen. Von dem Film bekommen wir allerdings nur die Hälfte mit, die andere rauscht und knackt es im Kopfhörer. Die Verpflegung ist sehr gut und voller Heißhunger stürzen wir uns auf Hühnchen mit Brokkoli und Kartoffeln. Es gibt sogar Nachtisch und für Carl eine heiße Schokolade. Schon nach einem angefangen Fluch der Karibik 3 Film geht es in den Landeanflug. Wir erreichen Abu Dhabi ohne Probleme mit dem Druckausgleich um 19.30Uhr (Ortszeit). Dort schlendern wir etwas durch die Duty free Läden, fotografieren uns vor dem goldenen Kamel und ich bekomme Carl überredet ein Sandwich zu kaufen. Was sich noch als äußerst klug herausstellen sollte. Nachdem Carl seinen Mars Drink geleert hat, schmeckt übrigens echt wie Mars, beginnt abermals das Boarding. Diesmal müssen wir sogar unser Taschen öffnen, sie werden von Hand untersucht.

Glücklicherweise hat keiner unsere ganzen „Drogen“ gefunden und voller Vorfreude sitzen wir bald darauf auf unserem Fensterplatz im Flugzeug. Die Klimaanlage funktioniert leider nicht richtig, aber Carl tröstet mich damit bald in der Luft zu sein, dann würde alles anders, alles besser! Naja nur in die Luft kommen wir dann ganze drei Stunden nicht. Aber der Reihe nach. Also erst ist der Luftraum komplett überfüllt, dann hat die Crew irgendwelche Probleme, aber naja nicht so wild. Nach einer Stunde gibt es immerhin ein Becher Wasser für jeden! Da scheint noch Rettung nahe. Wir rollen langsam los, werden zum dritten Mal vom Kapitän begrüßt, die arabische Sicherheitsanweisung ist auch schon zum vierten Mal vorüber und die englische Sicherheitsunterweisung zum zweiten Mal, das Kleinkind ein paar Reihen weiter vorne scheint sich auch beruhigt zu haben, es kann nur noch besser werden. „Ready for take off“, year wir rollen, doch dann springt ein betrunkener Mann drei Reihen vor uns auf und die Crew kann ihn nicht mehr beruhigen. Schon vorige Warnungen, weil er Leute belästigt, haben nichts gebracht. Als dann die Mutter neben dem Passagier endlich zugibt, dass ihr Sohn gefährlich werden könnte und sich etliche andere Passagiere beschweren wird auf der Startbahn gewendet. Der Passagier muss seinen Sitz verlassen. Wir sind zwischenzeitlich mit den Nerven am Ende. Ich halte nur noch Carls Hand und rede auf ihn ein, doch er reagiert schon nicht mehr. Gestresst huschen seine Augen nur noch hin  und her. Ich merke gleich explodiert er. Okay halb so wild. Zurück zum Terminal Passagier und sein Handgepäck ausladen. Was vergessen?? Äh ja sein Koffer, ok kann sich nur noch um Stunden handeln. Koffer wird im Frachtraum gesucht. Während dessen wird unser Handgepäck auch nochmal kontrolliert. Sicherheitsleute kommen an Board. Das Flugzeug wird auf den Kopf gestellt. Ich fange an zu beten, dass wir endlich wenigstens mal in die Luft kommen.

Es hat geklappt. Wir fliegen! Ich kann es kaum glauben. Schnell einen Film schauen,  Batman, Ablenkung tut gut. Abendessern gibt es  dann um zwei Uhr nachts. Gott sei Dank für das Sandwich! Den 13 Stunden langen Flug im Detail will ich euch ersparen. Ich sag nur soviel, ich hab nur eine Stunde geschlafen, weil meine Schulter weh getan hat. Carl hat dafür äußerst gut geschlafen, wie sagte er doch gleich, ich sei äußerst bequem ;)

 

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erstellt von Carl Fähnrich